Epochen

Juden in kurfürstlicher Zeit

In einer Urkunde aus dem Jahr 1339 erklärte der Ritter Hartrad, Herr von Schönecken, sein Einverständnis zu einem Tilgungsplan für die Schulden, die er bei den Juden Jakob Danielssohn aus Trier und Aaron von Wittlich hatte. Der Vertrag, der unter Mitwirkung Erzbischof Balduins von Trier zustande gekommen war, sah vor, dass Hartrad seine Außenstände in drei Raten abzahlen sollte. Gleichsam als Hypothek setzte er seine Güter in Schweich, Mehring und benachbarten Orten ein. Aus späteren Dokumenten geht hervor, dass Hartrad erneut in Zahlungsverzug gekommen war und seine Güter in den genannten Orten – ausdrücklich belegt ist dies für Longen – an seine Gläubiger verpfänden musste. Damit ist zumindest jüdischer Grundbesitz für diese Zeit in dem später sogenannten Hochgerichtsbezirk Schweich nachweisbar. Die Verpfändung von Besitztümern, teilweise gar ganzer Ortsteile an jüdische Bankiers durch Adlige und Ritter ist zu dieser Zeit keine Seltenheit, ganz ähnlich erging es den in der Gegend begüterten Herren von Esch und von Helfenstein. Häufig gingen die Pfänder später an Erzbischof Balduin über, der auch auf diese Weise den Kurstaat Trier ausbaute und deshalb die jüdische Niederlassung in Trier und den noch im Aufbau befindlichen Amtsstädten nach Kräften unterstützte.
Während der Pestverfolgungen des Jahres 1349 dürften sich die ersten Spuren jüdischen Lebens in Schweich und Umgebung verloren haben. Die wenigen noch verbliebenen Juden wurden dann im Jahr 1418 von dem neu gewählten Erzbischof Otto von Ziegenhayn aus dem gesamten Erzstift ausgewiesen. Einige wichen in Orte aus, die nicht zum kurtrierischen Territorium gehörten, u.a. nach Detzem, wo die Reichsabtei St. Maximin die Grundherrschaft innehatte. Allerdings hielten sich trotz der Ausweisung gelegentlich Juden in kurtrierer Orten auf; dies ist etwa für die Jahre 1580 und 1592 für Fell, Longuich und Leiwen erwähnt.
1639 wurden dann in einer „Specificatio der Juden so geläidt uff die Pfalz Trier haben“ zwei Leiwener, ein Schweicher und Longuicher Jude mit Schutzbrief sowie Aufenthaltsgenehmigung des Kurfürsten erwähnt; auch die Steuerliste des Amtes Pfalzel listet 1663 zwei verheiratete Schweicher und einen Mehringer Juden auf. Seither waren Juden in unserer Region ohne Unterbrechung bis zur NS-Zeit ansässig.

 

Emanzipation in preußischer und französischer Zeit

Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution begann die schrittweise Emanzipation der Juden in Westeuropa. Wenngleich die volle juristische Gleichstellung erst 1871 erreicht war, fielen berufliche und rechtliche Beschränkungen weg. Freilich blieben viele Juden in den mittlerweile traditionell gewordenen Berufen im (Vieh-)Handel und verwandten Gewerben tätig. 1794 wurden die linksrheinischen Gebiete französisch, Schweich bildete fortan eine eigene Mairie und einen eigenen Kanton im Arrondissement Trier innerhalb des Saardepartements. Als Gegenleistung für die Emanzipation wurde freilich von den Juden auch eine gewisse Assimilation eingefordert. Sichtbarer Ausdruck waren die von Napoleon am 20. Juli 1808 verfügten Namensvorschriften. Die jüdischerseits immer noch vornehmlich üblichen Benennungen nach dem Vater sollten künftig durch einen festen Familiennamen abgelöst werden. 39 Schweicher, 29 Leiwener, 13 Mehringer und vier Schleicher Juden fanden sich dazu nachweislich in den jeweils zuständigen Mairien ein. Im Gottesdienst und auf den Grabsteinen führten die Juden in ländlichen Regionen aber weiterhin ihre alten Namen.
Der Höhepunkt jüdischen Lebens in den Moseldörfern lag in der Mitte des 19. Jahrhunderts (ca. 350?). Aus dieser Zeit stammen auch einige der Synagogenbauten in der Region und Neuanlagen bzw. Erweiterungen der jüdischen Friedhöfe. 1858 wurde gemäß dem „Gesetz über die Verhältnisse der Juden“ die Schweicher zur Mittelpunktgemeinde bestimmt, der die anderen kleineren Gemeinden zugeordnet waren. Danach setzte – vermutlich aufgrund der anders gearteten Berufsstruktur – stärker noch als bei der Gesamtbevölkerung eine Landflucht ein. Ferner machten sich einige Juden wie auch Nichtjuden in Richtung USA auf.
In dieser Zeit lebten Christen und Juden in den Dörfern in einem relativ unkomplizierten Mit- und Nebeneinander. Man half sich gegenseitig, traf sich in den örtlichen Vereinen, kaufte bei Juden und Nichtjuden. Man respektierte sich im Großen und Ganzen. Es gab aber auch glaubensbedingte Vorurteile, und es kam zu Konflikten, die vor allem durch Handel und Kreditgeschäfte verursacht wurden.

 

Nationalsozialismus

Das selbstverständliche Miteinander endete mit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten; es kam zunächst zu Boykotten, später zu Übergriffen, die ihren Höhepunkt im Novemberpogrom (in unserer Region) am 10. November 1938 fanden. Mit der Deportation der letzten Juden ab Oktober 1941 hatten die einst blühenden jüdischen Gemeinden in den Moseldörfern aufgehört zu bestehen.
Eindringliche Schicksale von Juden aus der Region in der NS-Zeit finden Sie hier, die bislang bekannten Opfer der Shoah hier.
Die meisten Juden, die noch ins Ausland entkommen konnten, verkauften vorher ihre Häuser, in ihrer Zwangslage oftmals unter Wert. Ab 1939 wurden die noch in jüdischem Besitz befindlichen Häuser und Geschäfte sowie das Mobiliar enteignet und an Interessenten verkauft („arisiert“).
Weitere Details zur Enteignung, Verfolgung und Deportation der Juden aus Schweich und Umgebung unter dem Themenfeld Antisemitismus und Judenverfolgung in der Region.
 

Begegnung und Erinnerung

Die meisten Synagogen und Bethäuser waren zwar zunächst wieder in den Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde Trier als Rechtsnachfolgerin der vernichteten Gemeinden im ehemaligen Rabbinatsbezirk übergegangen. Die in der Nachkriegszeit sehr kleine Gemeinde konnte diese Gebäude aber nicht mehr unterhalten und musste sie an private Interessenten verkaufen, die sie im Laufe der Zeit abrissen oder zweckentfremdeten. Am 3. September 1989 wurde demgegenüber die restaurierte Synagoge Schweich wieder als Kulturzentrum der Stadt eingeweiht. Dazu waren auch zahlreiche ehemalige Mitglieder der jüdischen Gemeinde Schweich gekommen. Es kam aber auch andernorts schon zuvor zu Besuchen und gegenseitigen Kontakten aufgrund von privaten Recherchen, die auch die Grundlage für die vorliegende Ausstellung boten.
 
Für unsere Erinnerungsarbeit der letzten hier der Verweis auf Veranstaltungen.